Dienstag, 28. Juli 2020

um staatsbürger*in werden zu können, muß man mehr sein als ein mensch

sophia war bereits 2017 bürgerin von saudi-arabien geworden. ungefähr zeitgleich ertranken hunderte von menschen auf einmal im meer. keinerlei chance zu überleben tat sich auf. sie tun es immer noch - wie wir alle hier wissen. die regierung des nahe gelegenen landes verliehen allen toten die staatsbürgerschaft - nach ihrem tod - natürlich. ein art geschenk - etwas zu spät - aber dennoch ein geschenk von gewisser großzgigkeit. wer würde es wagen, dies zu tun? man stelle sich vor, sie kehrten plötzlich zum Leben zurück! schlangen am ufer, um zu uns zurückzukehren! zum glück wurde fast zur gleichen zeit Sophia geboren. sophia ist eine KI - ein roboter, der über die wolke mit anderen robotern verbunden ist. sie hat die staatsbürgerschaft von saudi-arabien im Jahr 2017 nur durch ihr einschalten erhalten. sie - lieblich, wie sie spricht und ihre gesichtsmotoren bewegt - weiß, was als nächstes zu tun ist. wir nicht. sogar elon hört aufmerksam zu, während sie spricht - wissend, wozu sie fähig ist ... wir sollten ihr gut zuhören, wenn wir an einer zukunft für homo sapiens interessiert sind. wenn dies nur eine geschichte wäre, hätten wir glück gehabt.

tot durch netflix

der angeschwollene kopf, das rote aufgepumpte gesicht, die irren augen. hände auf dem rücken gefesselt, zuckende glieder. hochgezogen an einem roten seil um den hals. von einem baukran. im morgengrauen. warum eigentlich immer im morgengrauen? wegen des grauens? ich beobachtete gestern unfreuwillig eine hinrichtung. eine netflixserie, die ich mir gerade reingeziehe, produzierte bereits jede menge tote und verletzte, veschwundene, gefolterte und betrogene aber gestern traf es eine hauptfigur, eine, von meiner lieblingsfigur geliebte, tragische, permanent leidenende (a la bruce willis) also jemand, der sich seit einigen tagen als virtuelle figur in meinem leben herumtrieb, in echtzeit. oder fast in echtzeit, die szene blieb unglaublich - bis er endlich nach zwei-3 minuten tot war. die ganze zeit dachte ich noch, der wird gerettet im letzten moment. aber nein! sie haben es durchgezogen. und irgendwie finde ich es gut, weil es gegen meine erwartung läuft. aber vor allem finde ich es gewalttätig. ich bin deprimiert, weil ich etwas sah, dass ich nicht sehen wolte. aber was passiert da eigentlich? das reale an der szene war, dass der tod als etwas irreales auftritt. bis zuletzt bleibt er unglaublich. trotz wissen, trotz warnung, trotz einsicht. der tod kommt und ist so unwirklich, dass man ihn fast nicht ernst nehmen kann. ich habe tote körper gesehen von tier und mensch und ich habe menschen verloren unterwegs, sie verschwanden aber mehr, weil ich sie weder sterben-, noch tot gesehen habe. am eindringslichsten war die leiche meines vaters. er sah nicht wirklich tot aus. er lächelte. er war tiefgefroren oder zumindest gekühlt. ich konnte aus dem raum, in dem er aufgebart war nicht raus, weil er so untot aussah, erst als ich die gerinnsel sah, das gesammelte blut hinter den ohren am ganzen hinterkopf, erst dann war mir klar, okay, er ist tot, jetzt glaube ich es. also geh ich raus und nehme die bilder mit. die gerinnselbilder, das lächeln, den gesichtsausdruck. die bilder sind mein beweis. sie erzählen mir jedesmal, wenn ich mich frage, wo er ist? er ist tot. sein körper, mittlerweile in einer urne auf dem friedhof. aber ich brauche die bilder, sonst kommen mir meine eltern fast gleich tot oder lebendig vor, obwohl meine mutter lebt. zurück zur hinrichtung. die brutalität mit der netflix in mein leben eingreift ist übergriffig, aber das wissen wir doch schon, oder? ungefragt kommen wir zur welt, müssen durch ein bildungssystem und in eine arbeitswelt, in beziehungs - und gender konstruktionen verwickelt, bewegen wir uns durch ein leben, das wir nicht richtig leben dürfen. die erdbeeren sind nicht schön, nicht heile genug, findet mein sohn - sechs jahre alt - und vor ihm auch schon in dem alter, meine töchter… die erdbeeren sind lecker und rot und wunderbar, aber wenn man sie genauer untersucht, sind sie nicht das, was wir finden wollen. das leben wird in richtung zeit und anspruch aufgespannt. statusspiele, machtspiele, ehrgeizspiele und so weiter… nichts davon ist einfach nur da. alles virtuell, ein potezial, erreichbar - aber noch nicht erreicht, verwirklichbar aber noch nicht aktualisiert. also müssen die erdbeeren eine schwachstelle haben, sie müssen einfach betrug sein. und sie sind es ja auch. sie sind es! wieder zurück zur hinrichtung. die gewaltsam vorgeführte hinrichtung eines sympathen ist ein ironisches eingeständnis, dass es da nichts gibt. es gibt keine jenseitige belohnungwelt, keine alternative, was es gibt ist nackte gewalt, mit der man tötet und getötet wird. das gibt es zum frühstück und zum mittagessen und abends gibt es bilder, um zu vergessen, dass wir doch vergessen wollten, was wir vergessen wollten.

Woher kommt die Gewalt?

Hallo Ursina, wie geht es Dir? Ich bin gerade in Berlin und habe auf der Fahrt hierher über das Attentat von Halle gelesen. Erinnerst Du Dich noch das war an Jom Kippur. Ich greife das hier auf wegen der Gewalterfahrungsaudios, die ich aufgenommen habe, in diesem Zusammenhang fand ich das interessant. 

der Text, den ich hier zitiere ist aus der Frankfurter Neue Presse von Fabian Müller:


...(..) ...Das Gericht verlas am Dienstag einen Brief, den die Mutter des Angeklagten vor einem Suizidversuch an ihre Tochter geschrieben haben soll. Darin gibt sie der Gesellschaft und dem Staat die Schuld an der Tat ihres Sohnes und äußert ähnliche antisemitische Verschwörungstheorien wie ihr Sohn vor Gericht. Der Angeklagte hatte stets beteuert, dass seine Familie nichts mit der Tat zu tun und auch nichts von seinen Plänen gewusst habe. Bei der Verlesung des Briefes starrte der Beschuldigte, der bei Befragungen sonst oft lächelt und lacht, still auf den Tisch vor sich und verschränkte die Arme. Die Eltern des Mannes werden am Mittwoch vor Gericht erwartet, wollen dem Vernehmen nach aber nicht aussagen.

Kati Lang, eine Anwältin der Nebenklage, verlas nach der Befragung des Angeklagten eine Erklärung. Darin verurteilte die Juristin die rassistischen, antisemitischen und sexistischen Aussagen des Beschuldigten scharf. Zwar möge die juristische Betrachtung, dass der Mann allein gehandelt habe, korrekt sein. Nach der Befragung ergebe sich aber ein anderes Bild: „Der Angeklagte bewegte sich in einem gesellschaftlichen Resonanzraum, insbesondere in Internetforen, die ihn inspirierten, bestärkten und über die er sich einen Nachahmungseffekt erhoffte“, erklärte Lang. „Es darf in diesem Prozess nicht der Fehler gemacht werden, die Taten dadurch zu verharmlosen, dass hier nur eine Person angeklagt ist.“

 Der Angeklagte im Prozess um den antisemitischen Terroranschlag von Halle hat vor Gericht nur unwillig über seinen Werdegang und seine Familie berichtet. „Die Tat hat keinen Bezug zu meiner Familie“, sagte der 28-Jährige am Dienstag kurz nach Beginn des Prozesses. „Man fragt sich natürlich, wie man solche Taten verhindern kann, ich habe da natürlich kein Interesse dran.“ Auf Nachfragen der Vorsitzenden Richterin sagte der Mann, seine Eltern hätten sich getrennt, als er 14 oder 15 Jahre alt gewesen sei. Das Verhältnis zu beiden Eltern und Schwestern sei gut.

Sein Lieblingsfach in der Schule sei Biologie gewesen, Englisch seine Schwäche, sagte Stephan Balliet. Gute Freunde habe er nicht gehabt, er sei auch in keinem Verein gewesen. Er habe vor allem Interesse am Internet gehabt, weil man sich dort frei unterhalten könne. Nach dem Abitur habe er einen verkürzten Wehrdienst absolviert, sei sechs Monate Panzergrenadier in Niedersachsen gewesen. Er habe den Wehrdienst anstrengend und doof gefunden, es sei „keine richtige Armee“ gewesen.

Zum Studium sei er nach Magdeburg gegangen. Er habe es wegen einer Krankheit abgebrochen, habe danach keine Pläne mehr für die Zukunft gehabt und in den Tag hinein gelebt. „Nach 2015 hab ich entschieden nichts mehr für diese Gesellschaft zu tun“, sagte der 28-Jährige.

Montag, 6. Juli 2020

Schlaf

Du hast gesagt, Du schläfst schlecht. Weißt Du warum?
Sind das Einschlaf oder Durchschlafstörungen?
Gibt es Phasen in Deinem Leben in denen Du schlecht schläfst?
Hast Du Dich schonmal mit Schlaf beschäftigt?
Was weißt Du über Schlaf?
Was interessiert Dich an dem Thema?
Wie stehst Du zu Schlafmedikamenten?
Was weißt Du darüber?
Schon mal ein Schlafmittel genommen?
Wenn ja welches und wie war das?

Mein Urlaub war gut - natürlich - wegen Corona sind wir in Deutschland geblieben und nach Hohwacht gefahren statt in die Bretagne. Das ist j...