Donnerstag, 24. September 2020

©alexandra polina 2020


 

body poem (for sascha)

this body is out of control. I gave her little food - a lot of food. I brought her to the seaside and the bunker. this body just rebells everywhere. trying to control her - only makes it worse. he cries. she fights. he laughs. she fucks. I gave her drugs - she ignored it some times she tripped other times she never recovered fully. she aged he aged it changed all the time. This body is out of control. I love it.

Dienstag, 22. September 2020

Keine Gewalt in meiner bubble

Eine Woche aus dem Leben einer Tanzschaffenden. Gestern Abend musste ich den Kleinen entlausen bis 23 Uhr die Nissen und Läuse aus dem Haarwust kämmen. Die Große hat Mensschmerzen, derartig, dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob wir sie mitnehmen können. Husten hat der Kleene auch noch immer. Wir fahren trotzdem los, nachdem ich um 14 Uhr von der Jurysitzung komme. Direkt in den Bus. Hoffentlich haben wir die Kostüme alle mit. Auf der Rückbank TKKG vorne Fluchen, weil fast Stau. Wir kommen im Dunkeln an. Dortmund. Souterrainwohnen. 3 Zimmer mit nur 2 Fenstern. Alles gekachelt. Ich schlafe nicht, weil die Kacheln alle Geräusche verstärken und ich sowieso vor Gastspielen schlecht schlafe. Ich träume nichts - lausche die ganze Nacht auf den Bienenstock vorm Fenster. Nächster Morgen Probe und 2 Anträge fertig machen. Heute ist deadline, der Text fast fertig. Der Finanzplan stimmt nicht. Nochmal neu. Einkaufen, Kochen, Essen, die Große an die Hausaufgaben erinnern. Streit schlichten. Dann Proben mit nur 3 Tänzer*innen, weil eine noch ne wichtige Probe in Bremen hat. Dann verkacken wir die erste Show von WITCHES. Naja, es läuft halt noch nicht rund, weil wir uns lange nicht zusammen bewegt haben. Neuer Raum und so. Der nächste Abend läuft richtig gut. Wir sind mega eingetuned aufeinander und die Stimmung ist prächtig. Vor der Vorstellung merke ich, das der Film für die Theaternacht - ein andere Projekt digital - auf der Website nicht auftaucht. Was ist da los? Der Server ist überlastet stellt sich heraus. Soviel zum Thema Digitalisierung. Im letzen Moment haut es doch hin. Der Film ist am Start. Die Anträge raus. Es stimmt aber etwas nicht mit dem Dokument. Es ist leer. Nochmal das ganze. Die Show am Abend - wie gesagt - ist perfekt, das Stück verselbstständigt sich. Excessive Showing. Rotwein trinken, Interview geben, mit Dramaturg*in sprechen. Alles ganz leicht. Abbau, einpacken losfahren, ankommen in Hamburg ausräumen, essen kochen, streitschlichten. Alles liegt auf dem Boden rum. Man kommt nicht richtig durch die Wohnung durch. Ich kriege Sehnsucht nach Weite, Strand, Meer, Platz. Der Kleene liegt im Bett kannst du noch Gute Nacht sagen? Am nächsten Tag die Vitrine im Museum bespielen und keine Pause machen. Ich kann nicht einschlafen, weil ich zu müde bin. Kennst du das? Da ist so ein Punkt überschritten und da geht das loslassen nicht mehr. Also bleibe ich wach. Das Seminar nächste Woche dreht sich um das #wild_archive. Mein Rechner und meine Festplatte wurden vor zwei Wochen geklaut, mein handy auch. Das ganze Archiv ist weg - futsch, nicht mehr vorhanden. Ich schöpfe unvorbereitet aus meinen Kenntnissen der Improvisation und sehe aus wie ein Gespenst. Eines fließt ins andere und es gibt kaum Ränder an denen das eine aufhört und das nächste anfängt. Das ist meine bubble. Mein geschützter bubble Raum, der die Realität so gut wie möglich draußen lassen will und es doch nicht schafft. Ich höre Nachrichten und trinke 2 Kannen Espresso. Hey - keine Gewalt in meiner bubble. Ich träume von einer Überschwemmung, eine Welle, ein Meer, dass mein Haus erfasst und unterspült. Ich träume von blitzenden Lichtern auf bleifarbenem Wasser. 

Wie hältst du das aus, Silke? So krasse Ereignisse auf der Arbeit? Was machst du damit? 

Donnerstag, 27. August 2020


©Sinje Hasheider WITCHES 2019

es ist nie zu spät, die vergangenheit zu ändern

wie würdest du die geschichte ändern, wenn du jetzt die gelegenheit dazu hättest?
als kind lag ich oft wach und dachte über die drei wünsche nach, die feen normalerweise zuteilen, die sich bei mir aber nie blicken ließen, obwohl ich bestens vorbereitet war. keine kriege, keine Krankheiten und dass meine mutter über 100 jahre alt werden sollte. Das hätte ich mir, zusammen mit millionen anderen kindern vermutlich in den 80ern gewünscht. ich dachte der 3. weltkrieg passiert morgen und die welt geht komplett unter und tschernobyl ist passiert. es fühlte sich an, wie der untergang. das war es auch.
ich denke, was wir uns für die zukunft wünschen, sollten wir uns in der vergangeheit gewünscht haben. es ist nie zu spät für eine glückliche kindheit - wie es beim nlp heißt!
aber wie ändern sich nun die geschichten? es ist sehr einfach. von konzepten und diskursen her gedacht, genügt ein paradigmenwechsel, oder ein dekonstruktiver perspektivwechsel, um die vergangenheit zu ändern. So, wie ein lichtwechsel auf der bühne, der die einen gegenstände und figuren sichtbar, die anderen unsichtbar werden lässt. ein patriarchaler blick wird die leben aller menschen, die ihre zeit mit reproduktiver arbeit verbracht haben im dunkeln lassen, während ein feministischer blick die heroen, die weltenentdecker und urväter, die genies und die herkünfte im dunkeln verschwinden lässt. schon ist die geschichte geändert, könnte ich jetzt denken, aber natürlich noch nicht, denn der planet ist keine bühne, die welt keine szeografie und die lebewesen folgen keinem drehbuch. geschweige denn, dass sie irgendwo blieben - sie bewegen sich und verwandeln sich und fressen und zeugen und es ist ein einziges chaos. was ist es also, was sich verändert? karen barad sagt vom standpunkt der quantenphysikerin aus: superposition ist ein state, in dem etwas ein teilchen und eine welle und noch etwas anderes und noch vieles andere sein kann. nicht ist es: ein teilchen oder eine welle, auch nicht ein teilchen und eine welle, sondern es ist vieles. und dieses viele ist möglich. eine andere vergangenheit ist möglich. sie sagt, uns fehle der begriff, um das zu beschreiben. und wenn der begriff fehlt, fehlt meistens auch die vorstellung aber vor allem die erfahrung damit. also muss erst mal erfahrung mit der veränderung von vergangenheiten her.

es besteht eine dualistische kluft zwischen dem, was als vergangenheit und zukünftig gilt. in der zukunft liegt eine unternehmerische kraft, die immer mehr aufgeladen wird mit wachstum und gigantik - auf kosten der vergangenheit. aber auch umgekehrt wird im kapitalismus die zukunft vehökert, um profit aus der vergangenheit zu quetschen. die zuwendung zur zukunft hat jedoch etwas eleganteres, geistigeres, offenes, während die vergangenheit meistens unangenehme wahrheiten produziert, die zum himmel stinken. die verpflegung der leute, die gegangen sind, ist ein undankbares geschäft. die trauerarbeiterin genießt kein hohes ansehen, die visionärin schon. erinnerungsarbeit ist hart, imaginieren recht leicht, denn wer kann schon prüfen, wie detailliert das innere bild ist, wie lückenhaft der erdachte entwurf. das genie träumt die sinfonie über nacht und muss sie moregns nur noch notieren… bla bla. alles notierte entsteht beim schreiben, alles gesprochene bein sprechen und jede bewegung im tun.

Montag, 24. August 2020

Aufräumen

hab ich zu letzt gesehen, ist glaube ich RealityTV oder so - auf Netflix. Krasser Schock: Diese Massen von Dingen, die sich die Leute angeschafft hatten, lauter Müll, der rumlag, in jeder Ecke, in jedem freien Winkel aufgetürmt wurde, für den sie Geld ausgegeben hatten und der sie nun zu ersticken drohte, sie lähmt, mit dem sie alleine nicht mehr klar kamen, weil sie diesen leeren Kram aufgeladen hatten mit Gefühl - so viel Gefühle für leblosen Scheiß. Da musste eine kleine Japanerin helfen kommen, so eine kleine Puppe, die den Leuten erzählt, wie sie es schaffen können, Berge von Kleidung und Kram wegzuschmeissen. Ich habe auch ein Buch gelesen über Psychotherapie bei strenggläubigen Menschen. Und mich gefragt, was ich als nächstes machen soll. Hast Du DIch das auch schon mal gefragt? Ich muss mich neu erfinden, irgendwie. Was machst Du gerade? Ich habe Fotos von Dir auf Instagram gesehen, das sah so aus als würde bald ein neues Stück von Dir rauskommen. wann ist es so weit? Draußen ist dieser Regen, ich finde, es riecht schon nach Herbst. vielleicht ist der Sommer jetzt vorbei. Als ich in Berlin war für das Recherche Projekt Der Körper: Wille Vorstellung und Irrtum. Habe ich festgestellt, dass ich mit den HU´s und Richmute vorallem sagen wollte: Hey, es gibt so viele Leute, die unsichtbar sind. Es wäre so einfach gewesen das zu sagen, statt dessen bin ich sehr viele Umwege gegangen. Hast Du früher davon geträumt Künstlerin zu sein? Ich habe mir das früher toll vorgestellt. Ich glaube, weil ich mir vorgestellt habe, nicht so eine langweilige Büromaus zu sein wie meine Mutter und meine Tante, die nichts kennt von der Welt ausser ihr Büro und die Leute in ihrer Wohngegend. Wenn ich mich neu erfinden will, Charlotte meinte das beste an meinen Arbeiten war die Verbindung zu bildenden Kunst. Ich fand eigentlich das Beste in letzter Zeit war der Dialog, die lecture zu zweit, zu zweit in Fahrt kommen und einen Zahn zu legen.

Sonntag, 16. August 2020

schön, deine Stimme zu hören!

mir ist bald nichts mehr peinlich! filme schon garnicht. das ist doch bloß eine bildungsbürgerliche attitüde! das sind die, die zu florentina gehen und versuchen distantiert zu lachen während ihnen der kalte schweiß ausbricht. ich bin sehr proletarisch aufgewachsen und habe bud spencer und terence hill rauf und runter geguckt und dabei chips und fanta … und so. ich hab sogar dornenvögel gesehen, auf meinem schwarz-weiß fernseher, den ich auf dem sperrmüll gefunden habe. heute sehe ich am liebsten horror-filme. habe ich das schon erzählt. da geht es wenigstens um was wichtiges. um tote, die zurückkehren, um sich zu rächen, um verwandte, die etwas in der vergangenheit in ordnung bringen müssen, um gewalt - meistens gegen frauen, kindder und so - um sexuellen missbrauch und kolonialverbrechen. das beste, was ich in letzter zeit gesehen habe ist BACURAU. es geht um jagd und den jäger als nekropolitische figur im kolonialen kapitalismus.

manchmal fühl ich mich auch wie so eine figur, die irgendwas in ordnung bringen muss. die generation meiner eltern waren die kinder von nazis. wie sollte es anders sein.

 

 

Dienstag, 11. August 2020

Urlaub

Mein Urlaub war gut - natürlich - wegen Corona sind wir in Deutschland geblieben und nach Hohwacht gefahren statt in die Bretagne. Das ist ja nicht so weit weg, aber auch am Wasser, halt ohne Französisch. Aber wenn sich Arbeit so leicht wie Urlaub anfühlt und Urlaubstage wie Arbeitstage, dann ist irgendwie was falsch.